München, 18. Juli 2016. Auf dem Papier nennt er sich nüchtern „B57S“. Doch in natura ist der neue BMW TwinPowerTurbo-Reihen-Sechszylinder-Dieselmotor ein faszinierendes Kunstwerk der modernen Antriebstechnik. Erstmals ist er mit vier Turboladern ausgestattet und erzielt eine Höchstleistung von 400 PS. Damit ist er das stärkste Dieselaggregat, as jemals in einem BMW verbaut wurde. Die Mitarbeiter in der Manufaktur der Sondermotoren fertigen ihn exklusiv hier im Werk München. Wir haben uns mit Lydia Weinzierl, Leiterin der Motormontage Manufaktur und Pilotmontage, getroffen.

Papadopoulos Kyriakos steht am Montageband der Rumpfmotor-Produktionslinie und verfolgt konzentriert das Einprägen der Motor-Identifikationsnummer auf dem Kurbelgehäuse. Wenige Meter von ihm entfernt finden zugleich die Vorbereitungen zur Montage des Zylinderkopfs statt. Er arbeitet am neuen Sechszylinder-Dieselmotor, der später nach Dingolfing geliefert wird und seinen Platz in einer der Luxuslimousinen der neuen BMW 7er Reihe findet. Kyriakos ist einer von 80 Mitarbeitern in der Motormontage der Sondermotoren, der sogenannten Manufaktur. „Auf einer Fläche von gerade einmal 1.000 Quadratmetern fertigen unsere Mitarbeiter Motoren der Königsklasse: Sechszylinder-Diesel- und Zwölfzylinder-Ottomotoren für BMW und Rolls-Royce“, erklärt Lydia Weinzierl.

LEIDENSCHAFT, GEPAART MIT KOMPLEXITÄT

Die Komplexität der Arbeitsprozesse in der Manufaktur ist hoch, die Wiederholhäufigkeit der Arbeitsschritte dabei gering. Bei einer Taktzeit von zwölf Minuten ist höchste Konzentration gefragt. Jeder Mitarbeiter muss bis zu fünf unterschiedliche Arbeitsplätze im Produktionszyklus beherrschen. An einem normalen Tag verlassen im Zweischichtbetrieb bis zu 72 Motoren die Manufaktur. Im vergangenen Jahr waren es 13.000.

DER NEUE SUPERTURBO

Die Presse lobt den neuen B57S Reihen-Sechszylinder-Dieselmotor und bezeichnet ihn als ultimativen Superturbo. Ende April wurde er auf dem Wiener Motorensymposium offiziell vorgestellt. Im Handel erhältlich ist er ab Juli, als Antriebseinheit der neuen BMW 750 xDrive und BMW 750Ld xDrive Modelle. Ein Kernelement der neuen Motorengeneration ist ein neu konzipiertes zweistufiges Aufladesystem, bestehend aus vier Abgasturboladern. „Es ist und bleibt ein einzigartiges Produkt“, sagt Weinzierl, die ihre Laufbahn 1995 als Auszubildende im kaufmännischen Bereich bei BMW startete.

DER LETZTE SCHLIFF

Die Motorenmanufaktur pflegt eine lange Tradition im Hause BMW. Seit den 80er Jahren ist sie im Werk München angesiedelt. Zu dieser Zeit wurden in den heiligen Hallen Sechs-, Acht-, Zehn- und Zwölfzylindermotoren von Hand gefertigt. Topausgebildete Mitarbeiter produzieren heute wie damals die Sondermotoren. Sie durchlaufen für jeden Motor eine intensive Qualifizierungsphase in der Pilotmontage. Weit vor Serienstart trainieren die Mitarbeiter dort jeden Handgriff an den neuen Motoren. Sieben Stunden sind vergangen, seit Kyria kos die Identifikationsnummer des Motors aufgeprägt hat. Der Motor ist fertig. Aus mehr als 840 Teilen haben die Motorenprofis ein Hightechaggregat hergestellt. Bevor der Sechszylinder das Gebäude 72 in Richtung Heißtest verlässt, unterzieht sein Kollege Benjamin Torka den Motor einem finalen Qualitätscheck. „Unser oberstes Ziel ist es, alle im Motorenbau gefertigten Motoren in einwandfreier Qualität an die Werke zu übergeben“, betont Weinzierl.